Katholische Landvolk Bewegung
Erzbistum Köln

Neuigkeiten von der KLB

Weihnachten 2011 „Gott wagt sich selbst – den Menschen zu Gute….“

Predigt von KLB-Präses Pfarrer Michael Eschweiler

Weihnachten 2011

 „Gott wagt sich selbst – den Menschen zu Gute….“ 

Ich finde es immer wieder spannend, Menschen vor Weihachten zu fragen: „Wie feiern Sie Weihnachten?“ Und viele Menschen geben dazu auch gerne Auskunft – wie übrigens viele Umfragen zum Fest alljährlich belegen.

 Weihnachten ist für viele Menschen ein Fest mit festen Ritualen und festen Gewohnheiten. 

  • Ob es nun Essen und Trinken betrifft: Heilig Abend mit Kartoffelsalat und Würstchen, der erste Weihnachtstag mit Ente oder Gans; oder was es auch immer sein mag.
  • Ob es das Aufstellen des Tannenbaums ist und wie und wann und von wem er geschmückt wird.
  • Ob es der Zeitpunkt und der Ablauf der Bescherung ist.
  • Ob es Vollzüge sind wie Weihnachtsgeschichte lesen, singen, musizieren.
  • Ob es der Kirchgang ist. 

Es gibt kein Fest im Jahr, das so mit Ritualen und festen Gewohnheiten verbunden ist wie Weihnachten. Ob und wie sehr diese Rituale und festen Gewohnheiten allerdings etwas zu tun haben mit dem eigentlichen Sinn von Weihnachten, mit seinem Ursprung, und mit welchen Überzeugungen und inneren Haltungen Menschen dieses Fest begehen, das lassen wir hier mal offen. Aber gesagt bzw. angefragt werden, soll es schon! Vielfache Lebensweisen zu Weihnachten aufs Korn nehmend fragt ja der Liedermacher und Aktionist Arno Backhaus provozierend: „Warum feiern Sie eigentlich den Geburtstag Jesu so aufwendig? Sie nehmen ihn doch sonst nicht so ernst.“

Über die Frage, wie nun Menschen Weihnachten feiern, hinaus, ist es eine alljährliche Herausforderung, Mahnung und Ermutigung zugleich, sich der Frage zu stellen, was wir denn Weihnachten feiern, was der Grund und der Inhalt dieses Festes ist? Und das ist ja wohl zuallererst eine Frage an uns Christen. Was feiern wir?

Wir sollten uns hier nicht schnell und vielleicht sogar genervt einer Antwort entledigen wollen. So nach dem Motto: geantwortet – erledigt – weiter feiern!

Wir sollten uns wirklich etwas Zeit nehmen, das Geschehen von Bethlehem für Geist und Seele, für Verstand und Gemüt zu bedenken. Wir sollten der Frage nach Gott und über Gott nachspüren; denn hieraus ergeben sich Auswirkungen auf die Art des Feierns von Weihnachten und darüber hinaus Auswirkungen für unseren Glauben und seine ganz konkrete Gestalt im Alltag.

Was also feiern wir an Weihnachten? Wir feiern, dass Gott Mensch wird. Wir feiern, dass Gott zu uns in die Welt kommt, in dem er selbst Mensch wurde in der Geburt des Kindes im Stall zu Bethlehem. Das wahre weihnachtliche Motiv ist Gottes pure Liebe zum Menschen. Und damit das auch gleich klar ist und gesagt ist. Diese pure Liebe Gottes zu uns Menschen, seine Menschwerdung im Kind in der Krippe in Bethlehem, das ist sein Wagnis, das ist sein Risiko, das ist sein grenzenloses Vertrauen, das er nie verloren hat.

Dabei hat Gott schon vor diesem Geschehen in Bethlehem allerlei mit den Menschen erlebt. Wer sich den Weg Gottes im Alten Testament anschaut, stellt fest, wie die Menschen mit Gott umgegangen sind. Und auf diesem Hintergrund wird die Tat Gottes in Bethlehem noch mehr zum Ausdruck seiner Liebe, die er riskiert.

Wir feiern an Weihnachten: Gott wagt sich selbst – mit aller Konsequenz. Und welche Konsequenz das für Gott hat, deutet sich in einem kleinen Detail des Isenheimer Altars von Matthias Grünewald an. Dort ist zu sehen, dass die Windeln des Kindes in der Krippe und das Lendentuch, das Jesus am Kreuz trägt, identisch sind. Welch eine Symbolik!

Gott wagt sich selbst und riskiert all seine Liebe – den Menschen zu Gute!

 Und so feiern wir an Weihnachten das Fest der Menschenwürde. Wir Menschen sind Gott so viel wert, dass er selbst als Mensch auf die Welt kommt. Wir sind Gott so viel wert, dass er sich auf uns Menschen einlässt. Wir sind Gott so viel wert, dass er sich unserer menschlichen Freiheit anbietet.

Mehr denn je werden wir uns an Weihnachten unserer einmaligen und unverlierbaren Würde als Menschen bewusst. Und mehr denn je werden wir uns des Wesens Gottes bewusst: ER ist Liebe.

Und wenn wir so wollen, wird dann aus Weihnachten das Fest des liebenden Umgangs mit der Menschenwürde. Die vielen Begegnungen von Mensch zu Mensch, die Art und Weise von Wertschätzung haben ihren eigentlichen Grund in dieser Tat Gottes, in der er sich wagt und den Menschen schenkt. 

Was wir also an Weihnachten feiern, das soll Ausdruck finden im Schenken und Beschenken, das soll in gegenseitiger Wertschätzung vollzogen werden, das soll zum Gestaltungsraum wohlwollender Fantasie und Kreativität werden. In allem Schenken und Beschenktwerden geht es im Wesentlichen um Begegnung und nicht um ein gedanken- und herzloses Hin- und Hergeben von Dingen und Sachen. Überall dort nämlich, wo dieses heilige Geschehen von Bethlehem entartet in profanisierte und kommerzialisierte Gewohnheiten, dort verlieren wir das einmalige Geschenk von Weihnachten aus dem Blick und aus dem Sinn.

Und gerade deshalb haben wir Christen auch die Aufgabe und die Verantwortung, darüber Auskunft zu geben und Zeugnis abzulegen dafür, was wir an Weihnachten feiern. Und das heißt auch, aufzustehen und Einspruch einzulegen gegen jede Verfremdung und Entartung von Weihnachten.

Wir können und werden als Christen dieser Aufgabe und Verantwortung gerecht, wenn wir uns immer wieder neu an den erinnern und auf den einlassen, der es damals in Bethlehem gewagt hat und Mensch wurde – und der es jeden Tag neu mit jedem und jeder von uns wagt                             – aus purer Liebe – uns Menschen zu Gute! 

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